Tunesien

Ein Platz, der Sicherheit nicht mehr erklären muss

Es gibt Orte, an denen eine Stadt ihre Haltung zeigt. Nicht in grossen Reden, sondern in Beleuchtung, Sichtachsen, Sitzbänken, Wegen.

Tunesien

In der Medina von Sousse wurde die Place Garibaldi neu gestaltet, mit Frauenstimmen im Zentrum

Es gibt Orte, an denen eine Stadt ihre Haltung zeigt. Nicht in grossen Reden, sondern in Beleuchtung, Sichtachsen, Sitzbänken, Wegen. In dieser Woche berichteten tunesische Medien über die Einweihung der Place Garibaldi und der Rue Victor Hugo in der historischen Medina von Sousse, im Rahmen des Programms Femmedina.

Der Kern ist simpel: Ein öffentlicher Raum wird so umgebaut, dass er für alle funktioniert, besonders für Frauen und Mädchen, die in vielen Städten ihren Bewegungsradius längst nach Tageszeit berechnen. Femmedina setzt laut den Projektseiten auf partizipative Planung. Das heisst: Bewohnerinnen und Bewohner, lokale Akteure und die Kommune bringen konkrete Erfahrungen ein, statt dass ein Plan von oben auf den Boden fällt.

Was dabei entsteht, wirkt auf Fotos oft unspektakulär: ein Platz, der aufgeraumt wirkt, klare Wege, bessere Beleuchtung, ein Raum, in dem man stehen bleiben kann, ohne sich zu erklären. Aber genau das ist der Punkt. Wenn ein Platz nicht mehr als Risiko wahrgenommen wird, ändert sich Alltag. Kleine Händlerinnen bleiben länger offen. Familienbesuche werden einfacher. Jugendliche treffen sich ohne Ausweichrouten. Eine Medina, die oft nur als Kulisse gesehen wird, bekommt wieder eine Gegenwart.

Die Faktenlage in dieser Woche stammt vor allem aus Projektkommunikation und lokaler Berichterstattung. Eine vollständige, unabhängige Wirkungsmessung liegt noch nicht vor. Trotzdem bleibt das Ereignis greifbar: Ein realer Ort wurde umgebaut, und der Prozess nahm die Perspektiven von Frauen ernst. Das ist kein Drama, keine Revolution. Es ist ein Platz, der leiser sagt: Du gehörst hierhin.

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