Bhutan ist ein Land, das die Welt vor allem durch ein Konzept kennt: das Bruttonationalglück. Die Idee, dass der Wohlstand einer Nation nicht nur in Wirtschaftsdaten gemessen werden sollte, hat dem kleinen Himalaya-Königreich eine ungewöhnliche internationale Aufmerksamkeit verschafft. Weniger bekannt ist, dass sich Bhutan seit einigen Jahren auch in eine andere Richtung bewegt. Es baut ein Startup-Ökosystem auf.
Vom 10. bis 12. Februar 2026 fand im Startup Centre in Thimphu ein dreitägiger Workshop statt, der sich gezielt an Unternehmerinnen richtete. Organisiert vom bhutanischen Ministerium für Industrie, Handel und Beschäftigung (MoICE), ging es um digitale Geschäftswerkzeuge, Netzwerkbildung und den Aufbau unternehmerischer Fähigkeiten. Es war kein großer Kongress mit internationalen Rednern und Sponsorenlogos. Es war ein Arbeitsformat, in einem kleinen Raum, für Frauen, die ein Geschäft aufbauen oder ausbauen wollen.
Bhutan hat knapp 800.000 Einwohner. Die Wirtschaft wird traditionell von Wasserkraft und Landwirtschaft getragen. Der private Sektor ist klein, und Frauen sind darin noch unterrepräsentiert. Aber das ändert sich. Die Regierung hat in den vergangenen Jahren gezielt Programme aufgelegt, die junge Unternehmer fördern, und zunehmend richtet sich die Aufmerksamkeit auf Gründerinnen.
Der Workshop in Thimphu war ein Baustein in dieser Strategie. Die Teilnehmerinnen lernten, wie sie digitale Plattformen für den Verkauf nutzen, wie sie ihre Buchhaltung digitalisieren, wie sie Netzwerke aufbauen, die über das eigene Tal hinausreichen. Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie in einem strukturierten Format mit anderen Unternehmerinnen zusammenarbeiteten.
Im Hintergrund steht eine größere Infrastruktur. Bhutan hat gemeinsam mit dem MIT in Cambridge das Jigme Namgyel Wangchuck Super Fab Lab aufgebaut, ein Forschungs- und Innovationszentrum, das als Sprungbrett für technologiebasierte Gründungen dient. Druk Holding and Investments (DHI), Bhutans staatliche Holdinggesellschaft, treibt eine Innovationsstrategie voran, die auf lokale Technologieentwicklung, einen nationalen Technikfonds und die Vernetzung mit internationalen Partnern setzt.
Es sind leise Schritte. Bhutan wird nicht morgen zum Silicon Valley. Aber für ein Land, das lange fast ausschließlich auf Wasserkraft und Tourismus setzte, ist die systematische Förderung von Unternehmerinnen ein bemerkenswerter Wandel. Und er beginnt nicht mit einer Pressekonferenz, sondern mit einem Workshop in einem kleinen Raum in Thimphu, an dem Frauen lernen, ihr eigenes Geschäft zu führen.
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