Karakalpakstan liegt im Nordwesten Usbekistans, dort, wo der Aralsee einmal war. Es ist eine der ärmsten Regionen Zentralasiens, geprägt von Wasserknappheit, Versalzung und dem Erbe einer Umweltkatastrophe, die ganze Landstriche verwüstet hat. Es ist nicht der Ort, an dem man eine Gründerszene erwartet. Und doch hat sich genau hier etwas verändert.
Am 5. Februar 2026 veröffentlichte die Weltbank einen Bericht über ein Programm, das seit Juli 2022 in Usbekistan läuft. 22 Gründerzentren wurden landesweit eingerichtet, in ländlichen Regionen, die bislang kaum Zugang zu wirtschaftlicher Förderung hatten. 15.000 Menschen haben seitdem Schulungen, Mentoring und Unterstützung beim Aufbau eigener Unternehmen erhalten.
Zwei Geschichten aus diesem Programm machen die Zahlen lebendig.
Shahzoda Fazylbekova ist 23 Jahre alt und lebt in Beruniy, einem Bezirk in Karakalpakstan. Ihre Familie betrieb eine kleine Bäckerei. Shahzoda wollte mehr daraus machen. Über das Gründerzentrum erhielt sie Schulungen in Geschäftsplanung, Buchhaltung und Marketing. Heute betreibt sie ein Café, das aus der Familienbäckerei gewachsen ist. Sie beschäftigt junge Frauen aus der Nachbarschaft, ihr Umsatz ist um 30 Prozent gestiegen. In einer Region, in der Arbeitsplätze für junge Frauen selten sind, ist das keine Randnotiz.
Ulugbek Ibragimov ist 60 Jahre alt und lebt in der Region Khorezm, einem Gebiet, das chronisch unter Wassermangel leidet. Er hat mit Unterstützung des Programms eine Abfüllanlage für Trinkwasser aufgebaut. In einer Region, in der sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist, versorgt er nun umliegende Gemeinden. Die Idee kam ihm, als sein Sohn an der Universität studierte und er nach einer Möglichkeit suchte, die Ausbildung zu finanzieren und gleichzeitig seiner Gemeinde zu dienen.
Diese beiden Geschichten stehen stellvertretend für Tausende. Das Programm, unterstützt von der Weltbank und dem UNDP, richtet sich gezielt an Regionen, die von wirtschaftlicher Entwicklung bislang weitgehend abgehängt waren. Es gibt keine großen Investoren, keine Technologieparks, keine Wagniskapitalgeber. Es gibt Schulungsräume in Kleinstädten, Mentoren, die selbst aus der Region kommen, und Menschen, die mit bescheidenen Mitteln etwas aufbauen.
Die 22 Gründerzentren sind über das ganze Land verteilt, von der Fergana-Ebene im Osten bis zur Aral-Region im Westen. Sie bieten nicht nur Kurse an, sondern auch Zugang zu kleinen Krediten, zu Netzwerken und zu Märkten, die für viele Teilnehmer vorher unerreichbar waren.
15.000 Menschen sind eine Zahl. Shahzoda und Ulugbek sind zwei davon. Ihre Geschichten zeigen, was passiert, wenn Menschen Werkzeuge erhalten, die ihnen vorher fehlten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Quellen: