Mandera liegt im äußersten Nordosten Kenias. Es ist eine staubige Grenzstadt, in der die Bevölkerung überwiegend ethnisch somalisch ist. Auf der anderen Seite des Grenzflusses liegt Beled Hawo, eine somalische Stadt, die für die Menschen in Mandera nie Ausland war. Familien leben auf beiden Seiten. Händler haben auf beiden Seiten verkauft. Kinder haben auf beiden Seiten Verwandte besucht. Bis die Grenze geschlossen wurde.
Im Oktober 2011 schloss Kenia den Grenzposten in Mandera. Der Grund war die Terrorgruppe Al-Shabaab, die von Somalia aus eine Serie von Anschlägen auf kenianischem Boden verübt hatte. Der Angriff auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi 2013, bei dem 67 Menschen starben. Der Überfall auf die Universität Garissa 2015, bei dem 148 Menschen getötet wurden. Und viele kleinere Anschläge in der Grenzregion selbst, die es nie in die internationalen Nachrichten schafften.
Die Schließung war eine Sicherheitsmaßnahme. Aber sie traf vor allem die Menschen, die am wenigsten mit dem Terror zu tun hatten. Familien wurden getrennt. Der Grenzhandel, von dem Tausende lebten, brach zusammen. Mandera, ohnehin eine der ärmsten Regionen Kenias, wurde noch ärmer. Und noch isolierter.
Am 12. Februar 2026 kam die Ankündigung, auf die viele in Mandera seit Jahren gewartet hatten. Bei einer Veranstaltung im Mandera-Stadion erklärte Präsident William Ruto, dass der Grenzposten im April wieder geöffnet wird. Zwei Übergänge sollen zunächst in Betrieb genommen werden, mit verstärkter Sicherheitspräsenz.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Öffnung angekündigt wurde. 2023 hatten Kenia und Somalia eine schrittweise Öffnung dreier Grenzübergänge vereinbart. Doch im Juni 2024 wurden bei einem Anschlag in Garissa acht Polizisten getötet, als ihr Fahrzeug auf eine Sprengfalle fuhr. Die Öffnung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
Diesmal ist die Hoffnung konkreter. Bereits am 6. Februar hatte das Innenministerium die Wiederöffnung für den Export von Miraa (Khat) genehmigt, einem Stimulans, das in Somalia stark nachgefragt ist und von dem Tausende kenianischer Bauern und Händler leben. Es war ein wirtschaftliches Signal, das der politischen Ankündigung vorausging.
Für die Menschen in Mandera geht es nicht um Politik oder Sicherheitsdoktrinen. Es geht um Großmütter, die ihre Enkel auf der anderen Seite des Flusses seit 15 Jahren nicht gesehen haben. Um Händler, die ihre Waren nicht mehr über Umwege und durch inoffizielle Kanäle bewegen müssen. Um eine Normalität, die so lange fehlte, dass eine ganze Generation sie nie erlebt hat.
Ob die Öffnung im April tatsächlich stattfindet, wird davon abhängen, ob die Sicherheitslage stabil bleibt. Die Angst vor Al-Shabaab ist nicht verschwunden. Aber in Mandera überwiegt an diesem Tag eine andere Empfindung. Endlich wieder zu den Nachbarn.
Quellen: