Ethiopia

Äthiopien: Abebech gewinnt Zeit, Schule und Sicherheit zurück, weil Wasser nah ist

In Nord-Wollo bringt ein solarbetriebenes Wassersystem sauberes Wasser in Dörfer und an eine Schule. Für Abebech bedeutet das weniger Wege, mehr Lernen und mehr Sicherheit im Alltag.

Als Abebech Destaw am Morgen ihr Buch aufschlägt, passiert etwas, das in vielen Dörfern lange unmöglich war. Sie beginnt den Tag nicht mit einem langen Marsch, sondern mit einem kurzen Gang zu einem Wasserpunkt in der Nähe ihres Hauses. In Sorba, einem Bergdorf in der Zone Nord-Wollo in der Region Amhara, öffnet der Wasserpunkt jeden Morgen um sechs Uhr. Abebech ist 16 und in der sechsten Klasse. Sie lernt für Prüfungen, die ihr den Wechsel an eine weiterführende Schule ermöglichen. Früher war Lernen ein Kampf gegen die Uhr. Stunden gingen für Wasser verloren.

Sie erzählt, dass sie jeden Tag weit laufen musste, um Wasser zu holen. Der Weg führte oft durch abgelegene Bereiche. Das kostet Zeit und es kostet Sicherheit. Wenn Wasser weit weg ist, tragen Mädchen nicht nur Kanister, sie tragen auch Risiko. Jetzt fließt Wasser nah am Haus. Die Veränderung wirkt unspektakulär. Sie ist es nicht. Sie verschiebt den ganzen Tagesrhythmus eines Kindes.

Das Wasser kommt nicht zufällig. UNICEF beschreibt ein solarbetriebenes System, das Wasser aus einem Bohrloch im Tiefland von Segno Gebeya über eine Strecke von elf Kilometern pumpt. Von dort geht es in ein Reservoir bergauf und dann weiter in die umliegenden Gemeinden. Das System versorgt laut UNICEF mehr als 28.000 Menschen. Es gibt Wasserkomitees, die die Entnahmestellen organisieren und kleinere Wartungen übernehmen. Das klingt nach Verwaltung. In Wirklichkeit ist es die Stelle, an der ein Projekt dauerhaft wird.

Ein weiterer Teil der Geschichte liegt ein Stück weiter unten am Hang. Auch die Grundschule in Segno Gebeya ist an die Versorgung angeschlossen. Schülerinnen trinken in der Pause sauberes Wasser. Für Mädchen kommt noch ein Punkt hinzu, der selten laut ausgesprochen wird: Wasser in der Schule bedeutet Würde. Wenn Wasser da ist, gibt es bessere Bedingungen für Hygiene. Mädchen müssen in ihrer Periode nicht in Unruhe geraten, weil plötzlich alles kompliziert wird.

Abebech hat damit nicht plötzlich ein leichtes Leben. Aber sie hat jeden Tag mehr Zeit, mehr Energie und eine Umgebung, die weniger gefährlich ist. Das ist ein stiller Sieg, der sich nicht wie eine Nachricht anfühlt. Er fühlt sich an wie ein Morgen, an dem ein Mädchen lesen kann, ohne zuerst verschwinden zu müssen.

Abebech geht früh los, weil die Schlange schnell wächst. Vier Zapfhähne laufen fast ohne Pause, wenn viele Frauen und Mädchen ihre Kanister füllen. Trotzdem reicht der kurze Weg, damit sie rechtzeitig in der Schule ist.

Sources

  1. https://www.unicef.org/ethiopia/stories/water-time-education-and-safety-girls